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Hallo Team! News Nr. 14 vom 2. Dezember 2004
Endlich die 43! (wieder neue PB 500m)
In einem Provinz(Alberta)-Wettkarnpf lief ich letztes Wochenende trotz weiterhin schmerzendem Fußgelenk mit 44.004 und 43.672 zweimal Bestzeit und konnte endlich die 43 nachhause fahren. Dies in einem Rennen mit Startcrash und daraus folgendem Hick in der Schiene!! Somit habe ich diese Saison die 500m PB um ganze 8 Zehntel verbessert!
Trotzdem habe ich Euch eine traurige Entscheidung mitzuteilen:
Rücktritt vom aktiven Spitzensport
Nach eingehender Analyse und Bewertung meiner Gesamtsituation habe ich eine harte Entscheidung getroffen: Aufgabe des Olympiatraumes... Wie schwierig es mir fällt, können Ihr Euch vorstellen, nachdem ich in den letzten 5 Jahren praktisch jede Minute, jeden Franken, und all meine Kraft und Energie investiert habe. Meine "Lebensintelligenz" zwingt mich aber dazu, diesen Entscheid zu treffen und zu akzeptieren.
Ich versuche Euch einen Überblick über die Gründe zu geben.
Sport
Sportlich gesehen drängt sich der Entscheid nicht auf. Massive Fortschritte nicht nur zeitlich sondern vor allem auch technisch und in der Effizienz, grundsätzlich äußerst gute körperliche Verfassung, und auch weiterhin Freude an einem genialen Sport sprechen dagegen. Ich muss mir aber auch eingestehen, dass ich dieses Jahr definitiv anfange, mein Alter zu spüren. Die Trainings fühlen sich härter an, und ich brauche mehr Pausen. Dies widerspricht meinem Ehrgeiz, mehr als andere trainieren und arbeiten zu wollen, um besser als diese zu sein...
Qualifikationskriterien
Es gibt zwei Seiten der Qualifikation: das Erreichen der Startplätze für die Schweiz, sowie die Selektionskriterien von Swiss Olympic. Die Startplätze werden neu an zwei Weltcups ausgefahren, wobei die besten 32 pro Distanz nach zwei WC's Startplätze erhalten. Ich bin überzeugt, zumindest über 500m einen (zweiten-) Startplatz für die Schweiz erreichen zu können. Swiss Olympic hat aber die Selektionskriterien massiv verschärft. Das Ziel: nur potenzielle Top-10-Athleten zu senden. Für uns wird das bedeuten, Weltcup-Viertelfinals zu erreichen, also z.B. über 500m Top 12. Dies gegen u.a. 3 Koreaner, 3 Chinesen, 3 Kanadier, 2 Amerikaner, 2 Japaner.... Natürlich sind die Chancen, gerade im Short Track, da. Aber die Übermacht ist doch massiv. Ich möchte hier nicht zu arg auf die Strategie von Swiss Olympie eingehen, zumal ich verstehe, dass SO auch in einem Wettbewerb der Nationen (Ranking, Medaillenspiegel...) steht. Zudem ist es natürlich nicht das Problem von SO, dass unser Sport in der Schweiz noch klein und mäßig erfolgreich ist. Ich denke aber, dass im Sinne der Förderung doch etwas andere Massstäbe gesetzt werden sollten, wem man die professionelle und vor allem finanzkräftige Unterstützung z.B. der Ski-Nationalmannschaft mit unserem Randsport vergleicht. Sooo viel besser sind deren Resultate auch nicht mehr....
Finanzielle Situation
Eigentlich ausschlaggebend ist die finanzielle Situation. Die Unterstützung der Verbände ist auf die Hälfte zurückgestrichen worden. Meine Verlobte Priska, die mein"Leben' bezahlt, verdient hier in Calgary trotz gutem Job gerade mal 8 CAD(=CHF)/h! Ein Hauptsponsor fehlt und ist besonders hier von Kanada aus schwer zu finden. Das Geld würde schlichtweg nicht mehr über den nächsten Sommer reichen, oder aber ich stände noch tiefer im (Gedankenbelastenden-) Minus...
Persönliche Situation
Auf Grund all dieser Facts fehlt mir schlichtweg die Motivation, der Glaube mit der Biss der nötig ist, um das Unmögliche möglich zu machen. So schwer es mir fällt, die Zeit ist gekommen, diesen Lebensabschnitt abzuschließen.
Ich bereue keinen Rappen, keine Sekunde dieser Jahre. Ich habe unglaublich viel Schönes und auch weniger Schönes erlebt. Unzählige Emotionen erlebt. Mir ein großes Wissen in vielen Bereichen wie Ernährung, Mentalarbeit, Trainingswissenschaft erarbeitet. Und nicht zuletzt eine Horizonterweiterung durch das Leben hier in Kanada erfahren.
Alles in allem gibt mir diese Phase weitere unbezahlbare Erfahrung mit auf den weiteren Lebensweg.
Fairness
Nun fragen vielleicht einige, weshalb ich nicht wenigstens die Saison beende. Auf der einen Seite fehlt ohne Ziel und Glaube schlicht die Trainingsmotivation, und halbe Sachen mache ich nicht, es gibt für mich nur ein entweder oder. Auf der anderen Seite kann ich so auf alle für mich geplanten Gelder von Swiss Olympic und dem Schweizerischen Eislaufverband (Unterstützung, Wettkämpfe usw.) verzichten. Ich hoffe und bitte, dass diese Gelder trotzdem für den Schweizer Short Track eingesetzt werden, insbesondere zur Unterstützung von Sascha Lauber, David Grossenbacher, und Karin Schmid, sowie zur Förderung der Trainingsstandorte.
Zukunft
Ich werde nun die nächsten Wochen auf der Großbahn (Long Track) rücktrainieren und ev. als Karriereabschluss anfangs Januar die Long Track-SM in Davos laufen, bevor ich die Schlittschuhe endgültig an den Nagel hänge. Daneben beginnt nun die Planung und Neuorganisation meiner Zukunft, insbesondere was Arbeitsstelle (!!), Wohnort und dergleichen betrifft. Priorität hat nun erst einmal das Stopfen der finanziellen Löcher und das Schaffen einer gesunden Basis für die Zukunft. Neben der Wehmut sehe ich nun die Chance, Kraft auf neue Herausforderungen zu konzentrieren.
Liebe Freunde, dieser Entscheid tut mir vor allem auch weh für alle von Euch, die mich ehrlich und von ganzem Herzen unterstützt haben. Ich kann nicht in Worte fassen, wie dankbar ich Euch bin. Danke! Ihr habt mir einen wunderschönen Lebensabschnitt mit ermöglicht. Sorry, dass ich Euch nun ein wenig enttäuschen muss! Ich hoffe, wir können trotzdem alle im Sommer auf ein kleines Abschlussfest zusammenkommen.
Euer
Andreas "Marco Polo" Tanner
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